Über Bühnenhypnose

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Jeder, der sich mit Hypnose beschäftigt oder mit Hypnose arbeiten möchte, kommt irgendwann auf das Thema „Bühnenhypnose“. Die Show- und Bühnenhypnose hat leider noch immer zur Folge, dass viele Menschen mit völlig verqueren Vorstellungen an das Thema Hypnose und damit auch HypnoCoaching herangehen. Sie haben eine völlig falsche Vorstellung vom Wert und den Möglichkeiten der Hypnose für Medizin, Psychotherapie, Coaching, Erfolgs- und Selbstmanagement, Persönlichkeitsentwicklung und das Leben allgemein. Deshalb nachfolgend einige Bemerkungen dazu:

In der Show- und Bühnenhypnose werden oft diverse „Kunststückchen“ vorgeführt, wie über Glasscherben zu laufen, „übernatürliche“ Kräfte zu entwickeln und starke Belastungen auszuhalten. Showhypnose ist ein Gesellschaftsspiel, in dem die Illusion von Kontrolle und Kontrollaufgabe gespielt wird, damit jeder glaubt, der Hypnotisierte befinde sich vollkommen im Griff des Hypnotiseurs. Da sich Hypnose auf der Grundlage angeborener und erworbener Fähigkeiten im Realitätsraum gemäß des psychischen Prozesses der Sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiung vollzieht, wird sie im sozialen Spiel „Showhypnose“ verwirklicht und als „Machtspiel“ gespielt (was eine Illusion ist, denn niemand kann durch Hypnose zu etwas gezwungen werden, was der eigenen Persönlichkeit fremd ist, den eigenen Werten zuwider läuft).

Es sieht oft erst einmal recht beeindruckend aus, was da auf der Bühne dargeboten wird. Dem Hypnotiseur geht es wie dem Zauberkünstler allerdings allein darum, sein Publikum zu unterhalten – das ist seine Profession und damit verdient er sein Geld. Im Gegensatz zum Zauberkünstler gibt der Showhypnotiseur jedoch nicht offen zu, dass sich hinter seinen Darbietungen keine besonderen Mächte verbergen, sondern einfach Tricks sind, sondern schreibt seine Fähigkeiten seiner besonderen hypnotischen Macht zu. Und das hat so gar nichts mit seriöser therapeutischer Hypnose oder HypnoCoaching zu tun.

Es ist zudem Tatsache, dass viele Aufgaben, die den „Hypnotisierten“ aufgeben werden, von fast jedem Menschen auch ohne Hypnose durchgeführt werden können. Fast jeder schafft es, für etwa 2 Min zwischen 2 Stühlen zu liegen, selbst wenn jemand auf ihm steht. Jedermann kann über die Scherben laufen. Da sich der Druck auf die Fußfläche verteilt, ist dieser pro Scherbe zu gering, um durch die Haut zu kommen und Schaden anzurichten. Durch das ganze Brimborium drumherum, wie z.B. geheimnisvolle Musik, abgedunkelte Räume, gemurmelte Suggestionen, beschwörende Gesten und stechendem Blick, bekommen die Zuschauer dann den Eindruck, das alles sei nur möglich mit Hypnose.

Dazu kommt das Phänomen der starken Verunsicherung der auf der Bühne „Hypnotisierten“, die sich aus dem großen Erwartungsdruck des Publikums einerseits und den Anforderungen des i.d.R. sehr selbstsicheren Hypnotiseurs andererseits ergibt. Das Verhalten der Personen auf der Bühne entscheidet darüber, ob das Publikum seinen Spaß hat oder nicht. „There is no Business like Showbusiness.“ Der „Hypnotisierte“, der zuvor auch noch meist vom Showhypnotiseur geschickt aus dem Publikum „gepickt“ wurde, hat unter solchen Voraussetzungen große Schwierigkeiten und Hemmungen, sich diesen Anforderungen und Erwartungen zu widersetzen. Da die Versuchsperson darüber hinaus auch meist keine Erfahrungen mit Hypnose gemacht hat, wird sie diese Hemmungen dann als durch Hypnose ausgelösten Zwang interpretieren, und hat für eventuelle Peinlichkeiten auch gleich eine Entschuldigung parat (Hypnose). Viele glauben dann tatsächlich, dass das Hypnose war,aus das Publikum sowieso.

Tatsächlich ist Showhypnose ein Kooperationsspiel, in dem der Hypnotiseur zu 100 % von der Zustimmung des Unbewussten der Person abhängig ist (wie generell in der Hypnose). Kontrollverlust tritt folglich eigentlich nie ein, alles hat ein Ende, wenn die Person nicht mehr will. Deshalb wenden Showhypnotiseure allerlei Tricks an, um diejenigen Personen aus dem Publikum zu filtern, von denen auszugehen ist, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit kooperieren.

Mitunter kommt es auf der Bühne tatsächlich zu hypnotischen Phänomenen, mit denen der Bühnenhynotiseur dann nicht selten Probleme bekommt, die er dann möglicherweise nicht lösen kann (z.B. Katalepsien, die er nicht auflösen kann). Es kommt dann quasi zu „Unfällen“, die dann alles andere als spaßig sind. Dies wiederum führt dann dazu, dass Hypnose einen schlechten Ruf bekommt, gar als gefährlich eingestuft wird. Unterfüttert wird das Ganze dann noch durch Hollywoodfilme und Filme wie „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“.

Das Ende vom Lied ist dann, dass diese durch Showhypnose hervorgerufenen falschen Vorstellungen all diejenigen in Verruf bringen, die diese Methode für therapeutische Zwecke oder im Rahmen von Coachings verantwortungsvoll und seriös anwenden. Schlimmer noch: viele Menschen, die von der Anwendung von Hypnose profitieren könnten, werden durch die falschen Vorstellungen und dadurch ausgeösten diffusen Ängste, um den Erfolg bei der Lösung ihrer Probleme gebracht.

Das musste mal gesagt werden!